wege

mehrteilige Rauminstallation

ehemaliger Bodenbelag des Raumes, Frottagen auf Papier, Fotografie, Stock

2018

Die Arbeit „Wege“ habe ich in der Künstlerstadt Kalbe realisiert, in der ich Stipendiat war. Viele Häuser der Stadt Kalbe sind verlassen. Sie werden heute teilweise als Atelier oder Ausstellungsraum genutzt. Die Räume in den Gebäuden sind heruntergekommen, die Bodenbeläge sind nicht mehr vorhanden oder liegen zusammengerollt in einer Ecke, die Wände sind marode und der Putz löst sich auf. Die Spuren des damaligen Lebens, als die Gebäude noch genutzt und bewohnt waren, sind immer noch spürbar, wie spukende Geister.

Meine Arbeit entstand im alten Gerichtsgebäude der Stadt. Im Raum, in der die Arbeit zu sehen war, konnte man noch den alten Fußbodenbelag sehen. Dieser lag an einer Seite zusammengerollt. Ich stellte mir vor, wie geschäftige Mitarbeiter über diesen Boden gelaufen sein mussten, Akten und Ordner hin- und hergetragen haben, sich stehend mit Kolleginnen unterhalten haben oder versunken aus dem Fenster blickten.

Da ich eine große Affinität zur Landschaft habe, bin ich mit dem Fahrrad auch außerhalb Kalbes herausgefahren und habe dort gezeichnet und fotografiert. Grundlage der Arbeit „Wege“ war deshalb auch eine informelle Zeichnung, die ich auf einem Feldweg außerhalb Kalbes gemacht habe. Ich wollte mit dieser Zeichnung eine Art von Essenz der Landschaft einfangen, ganz aus meinem Unterbewusstsein heraus. Diese Zeichnung habe ich dann auf den alten Fußbodenbelag des Raumes im Gerichtsgebäude übertragen und die Linien herausgeschnitten. Entstanden ist eine Wandarbeit, die der informellen Zeichnung ähnlich war. Aus den Negativformen heraus entstanden weitere Zeichnungen, die ich mithilfe der Frottagetechnik und dem blanken Betonboden des Raumes realisierte.
Mit der Arbeit „Wege“ wollte ich das Innen und das Außen miteinander verbinden. Innerer Raum, auch innerer Stadtraum wird mit dem Außerhalb verbunden. Eigen sind beiden die Bewegungen der Menschen, die Spuren im Raum hinterlassen. Die Wandarbeit existiert heute nicht mehr, da ich glaubte, dass sie dem Raum gehörig bleiben sollte.

Informelle Zeichnung gezeichnet auf einem Feldweg bei Kalbe, Grafit auf Papier, 2018 (Teil der Rauminstallation „Wege“)